Auch mal die ausgetretenen Pfade verlassen - diese und mehr Tipps für Eure Elternzeitreise durch AUS und NZ

Auf so einer langen Reise lernt man doch das ein oder andere an Gadgets und Tricks zu schätzen – besonders mit Baby. Unsere 10 Tricks des Trips!

Wikicamps - Die Campingcommunity lenkt durch den Übernachtungsdschungel
Wikicamps – Die Campingcommunity lenkt einwandfrei durch den Übernachtungsdschungel

 

Platz 1: Wikicamps

Gold wert. Eigentlich schon Diamanten wert. Auf jeden Fall unverzichtbar, um die perfekten Übernachtungsplätze – sei es der Luxuscampingplatz mit Familienbad und Poolhopping oder der einsame Strand in verlassenen Buchten – in Australien und Neuseeland (und auch in England, den USA uns Kanada) zu finden. Seit wir von Troy in Mundulla von der App für Android, Apple und WPhone erfahren haben, war sie unser ständiger Begleiter und hat uns dank der riesigen Community perfekt mit Anschriften, Preisen, Bewertungen und Fotos der Plätze durch unsere beiden Reiseländer gelotst – auch offline. Bald haben wir auch schnell selbst gefallen daran gefunden, die einzelnen Orte zu bewerten. Neben den Campingplätzen sind auch Hostels, Dumppoints, POIs und vieles mehr zu finden (das lässt sich aber auch alles ausblenden). Unser Tipp: Wikicamps ist ein ABSOLUTES Muss, auch für Backpacker! 14 Tage sind kostenlos, danach kostet die App einmalig je nach Land ungefähr 6 Euro.

 

 

und das offline.
und das offline.

Tipp 2: Open Street Map

Ebenso unverzichtbar gestaltete sich die Ausstattung unserer Geräte mit Open Street Map (in unserem Fall z.B. Osmand für Android). Die Karte ist offline verfügbar und eine geniale, trafficsparende Alternative zu google maps. Dank Open Source Projekt sind hier je nach Region jede noch so kleine Gravel Road und unglaublich viele Wanderwege verzeichnet, was – vorausgesetzt der Akku des Gerätes ist voll – die Papierkarte einwandfrei ersetzt (vor allem, weil man immer weiß wo man ist 😉 ). Wir haben unsere zwei analogen Landkarten nicht ein einziges Mal benutzt. Und natürlich haben auch wir nach einiger Zeit den ein oder anderen POI oder GPX-Track hinzugefügt… Vor allem für Australien unverzichtbar, da es hier ja sehr viele „unkonventionelle offizielle“ Wege gibt – das Northern Territory zum Beispiel war das absolut genaueste Kartenmaterial, das ich je gesehen habe. google maps hatte nicht ansatzweise so viele Straßen eingezeichnet! Kostet ungefähr 7 Euro, Zusatzoptionen wie z.B. Höhenprofile für ca. 2 Euro erhältlich.

 

 

Preislich kann das ein ganz schöner Unterschied sein.
Powered oder unpowered? Preislich kann das ein ganz schöner Unterschied sein.

Tipp 3: Unpowered

Gerade im menschenleeren Outback wird Strom meistens in den Orten direkt hergestellt und nicht wie wir es kennen per Fernleitung dahin gebracht (stellt euch das auch mal in diesen Dimensionen vor!). Das wertvolle Gut kommt daher gerade bei einsamen Roadhäusern mit Campingplatz von Dieselgeneratoren. Und die kosten. Richtig viel sogar! Macht „with power“ in der Zivilastion gerade mal einen Unterschied von höchstens 5 Dollar aus, zahlt man im Outback schon mal bis zu 15 Euro mehr nur für den Stromanschluss. Je nachdem wie lange wir blieben haben wir komplett auf Power verzichtet – das einzig wichtige, was bei uns mit Strom lief, waren nur der Kühlschrank, das USB-Ladegerät und das „Wohnzimmerlicht“, was alles trotz enormen Temperaturen locker einen Tag ohne externen Strom auskam – wird die zweite Batterie durch das Autofahren pro Tag genügend aufgeladen, kommt man Tage ohne extra Stromversorgung aus. Das fahren ist ja im Outback kein Problem… Also: hat man keine elektrische Klimaanlage an Bord, die Strom braucht, kann man für das Geld lieber in einem Roadhouse einkehren!

 

 

Treuer Begleiter auf all unseren Wegen - unsere Kraxe namens Kid Komfort 2
Treuer Begleiter auf all unseren Wegen – unsere Kraxe namens Kid Komfort 2

Tipp 4: Tragerucksack für das Baby

Lange haben wir überlegt, wie wir das während des Tripps machen mit dem Babytransport. Wir entschieden uns dann dazu, den Kinderwagen zu Hause zu lassen (der hätte niemals in den Camper gepasst!) und nur mit Tragebeutel und Kraxe zu verreisen. Nach vielem Ausprobieren erstanden wir in letzter Sekunde den Deuter Kid Komfort 2 (Modell 3 war nicht zu bekommen, aber der 2er hat sich sowas von bewährt!), der sich seit seiner Premiere am Strand von Torquai zum ständigen Begleiter avancierte. Dort lernte das Baby nämlich nicht nur, sich selbst hinzusetzen, sondern auch mit der Kraxe herumgetragen zu werden. Und diese zu lieben! Schon wenn wir sie nur herrichteten kam sie sofort angekrabbelt und wollte einsteigen, ging es dann endlich los strampelte sie vor Freude wie wild mit den Beinchen und wurde sie müde, schien das Geschaukel auf Papas Rücken ideal zum Einschlafen zu sein. Der Gatte hingegen freute sich über das bequeme Tragesystem, ich mich über den enormen Stauraum in das locker Wickelzeug, Babynahrung, Tragebeutel und noch einiges mehr passt und wir alle freuten uns über die enorme Barrierefreiheit, die wir vom Kinderwagen gar nicht gewohnt waren (Stichwort Treppen und Schotterwege!). Sehr hilfreich war das Trinkbeutelfach direkt am Rücken, das Sonnendach und das Regencape, außerdem haben wir bei starker Sonne immer ein UV-T-Shirt um die Trage gehängt, um die Babybeine vor der Sonne zu schützen. Etwas vermisst habe ich die Steigbügel, die es für das Modell gibt, da hat uns die Zeit vor der Reise leider nicht mehr gereicht, sie zu besorgen. Was etwas anstrengend war ist die Tatsache, dass es in Asien wohl keinerlei ähnlich Dinge gibt – und alle Asiaten völlig staunend und erfreut quitschend ihre Fotos zückten und Gatte wie Kind in der Kraxe fotografierten. Vielleicht sollte Deuter mal dort ein bisschen Werbung machen…

 

Babynahrung ist schon etwas anders als in Deutschland - wir kauften die Gläschen eigentlich nur um dort selbstgemachten Brei einzufrieren und das "Dosenfutter" fürs Outback.
Babynahrung ist schon etwas anders als in Deutschland – wir kauften die Gläschen eigentlich nur um dort selbstgemachten Brei einzufrieren und das „Dosenfutter“ fürs Outback.

Tipp 5: Pürierstab, scharfe Messer und Sparschäler

Ja, das gehört nicht unbedingt zu den klassischen Gepäckstücken, war aber für mich essentiell für die Erstellung von Babybrei. Da ich nicht wusste was uns Babyfuttertechnisch erwartet und ich auch zuhause alle Breie selber koche, durfte der Pürierstab kurzerhand mitreisen. Das klappte wunderbar! Gemüse hat in Australien und Neuseeland eine echt gute Qualität und das Brei machen war nie ein Problem. Aus Gas-Geiz warteten wir meistens bis wir eine schöne Campkitchen hatten, wo wir das Gemüse auf Vorrat kochten und dort dann auch pürierten (immerhin hatten wir nicht überall Strom). Mit den „scharfen“ Messern aus dem Camper kriegt man nicht mal eine Tomate klein. Leider hatte ich es beim Verlassen von Australien verbaselt eins der beiden Messer aus dem Beutel mit den Babylöffeln zu nehmen, die ich ins Handgepäck gestopft hatte, was beim Sicherheitscheck natürlich auffiel und prompt vor Ort entsorgt wurde…

 

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Tipp 6: Gruppen-Chat

Von Anfang an sagten wir uns, dass wir nicht ein einziges Mal das Bedürfnis haben werden, mit der Heimat zu telefonieren. Wie Ihr Euch sicher vorstellen könnt, wollten einige Personen doch schon ab und an mal wissen, wie es uns so geht da am anderen Ende der Welt – und wir wollten natürlich auch mal etwas aus der Heimat „hören“. Damit es da keinerlei Konflikte geben kann („Immer gebt ihr den anderen als erstes Bescheid, ich erfahre immer alles zum Schluss!“… und so Späße (ja, das gibt es auch unter Erwachsenen)) haben wir eine doch recht große Gruppe bestehend aus Familie und Freunden bei Threema eingerichtet, und diese regelmäßig mit Infos, Bildern und vielem mehr bestückt. Das wurde eine richtig lustige kleine Community, auch wenn sich viele dort untereinander gar nicht kannten.

 

 

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Tipp 7: Viiiiiel Spielzeug und noch mehr Fantasie

Klar, auf so einer langen Reise muss einiges an Spielzeug mit. Gerade dann, wenn das Baby wie in unserem Fall so viele Entwicklungsschritte macht! Wir hatten einen Jutebeutel voll unterschiedlichster Spielsachen dabei und das Baby hat wirklich jedes dieser Spielsachen regelmäßig geliebt. Hin und wieder ließen wir eins verschwinden, und oh was für eine Wiedersehensfreude gab es, als wir es in einer langweiligen Phase wieder hervorzauberten! Ab und zu kauften wir auch Neues, allerdings war das in Neuseeland gar nicht so leicht. Natürlich spielte unser Mädchen auch sehr gerne mit allem anderen, was so im Camper herumfuhr: Töpfe, Kochlöffel, Dosen, Flaschen, Taschen, außerdem stiegen mit der wachsenden Babymobilität auch die Exkursionen in die Schränke hinein… Ich bin mir ziemlich sicher, dass der Kleinen wirklich selten langweilig war!

Egal ob Krimis oder Hörspiele - was spannendes auf die Ohren ist bei langen Fahrtgen ein Muss.
Egal ob Krimis oder Hörspiele – was spannendes auf die Ohren ist bei langen Fahrten ein Muss.

Tipp 8: Hörbücher

Wenn man drei Monate lang täglich mehrere Stunden Auto fährt, gehen einem schon mal die Gesprächsthemen aus. Da kamen uns Hörbücher gerade recht! Eines hatten wir zufällig dabei, danach ging es nicht lange bis wir uns bei audible anmeldeten und uns auf einem McDonalds-Parkplatz ins WLAN einloggten, um die ersten Bücher herunter zu laden. Insgesamt 5 Stück haben wir gehört – insgesamt rund 100 Stunden und allesamt Tipps von Biggis Bibliothek der vergessenen Bücher (Danke dafür!). In Australien ging das noch per Kabel direkt ins Radio, in Neuseeland war das Radio viel zu alt, weswegen wir uns einen (völlig überteuerten) FM-Transmitter gönnten – obwohl daheim ein billiger von Ebay rumlag.

 

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Money, money, money… nicht nur für den Notfall ein gute Idee, auch zum Spielen (meinte zumindest das Kind 🙂 )

Tipp 9: Bargeld

Ohne Moos nix los – als wir mitten in der Nacht in Melbourne ankamen waren wir sehr froh, dass wir uns in Deutschland schon Aussi- (und Kiwi-Dollar) besorgt hatten. Das wäre zwar nicht unbedingt zwingend notwendig gewesen, doch es war eine sehr große Hilfe bei der Busfahrt, der Taxifahrt und in den ersten Tagen in Australien. Der Wechselkurs war in Deutschland sogar besser. Auch wenn wir größtenteils alles mit Kreditkarte gezahlt haben (die Technik ist dort sehr viel weiter als in Deutschland) hatten wir immer mindestens eine Tankfüllung an Geld in bar dabei – vor allem im Outback ein sicheres Gefühl.

 

Allergie auf Seeanemone? Sandflies? Mein Bauchgefühl hat mich nicht entteuscht: Das ist keine Allergische Reaktion!
Allergie auf Seeanemone? Sandflies? Mein Bauchgefühl hat mich nicht enttäuscht: Das war keine allergische Reaktion, sondern was ganz anderes!

Tipp 10: Bauchgefühl, Selbstvertrauen und Flexibilität

Obwohl es manchmal ganz schön wiegt, nehmen Bauchgefühl, Selbstvertrauen und Flexibilität keinerlei Platz im Koffer in Anspruch – und trotzdem werden sie viel zu wenig geschätzt. „Tut dies nicht, macht das nicht, weil wegen und sowieso“ hört man von außen immerzu (vor allem über Australien), und genauso wie „Kein Problem, macht doch das und jenes“ haben wir alle gut gemeinte Ratschläge erst mal an unseren Bauch weitergegeben. Und auf den haben wir dann gehört. Manchmal waren sich unsere Bäuche nicht einig, einige wenige Male haben wir uns – mit Bauchschmerzen – auch gegen sie entschieden. Alles in allem macht man dann doch alles intuitiv richtig: Nicht um Teufel komm raus zum geplanten Ziel fahren, wenn wir keine Lust mehr auf Autofahren haben zum Beispiel. Eine hochgepriesene Sehenswürdigkeit auslassen, weil das Baby gerade so schön schläft und man eigentlich gar keine Lust hat, sich in die Tourimassen zu begeben. Das Baby auch mal eine (oder zwei) Pommes stibitzen und mit nicht hundertprozentig altersgerechtem Spielzeug spielen lassen oder in der Bauchtrage mit Blick nach vorne tragen (da geht garantiert ein Aufschrei durch die deutschen Übermütterlandschaft!). Oder den eigentlichen Entschluss, auch mal auf kostenlosen Rastplätzen zu übernachten über den Haufen zu werfen, weil man Angst vor Buschfeuern hat. Oder nicht auf Ärzte und Autovermieter hören, die mir weismachen wollten, mein Ausschlag sei eine allergische Reaktion (was es war erfahrt Ihr hier). Oder, oder, oder… Diese Reihe ließe sich endlos fortführen. Allein die Tatsache, dass sich unser Bauchgefühl beim Ziel Australien durchgesetzt hat (das ist ja soooooo schrecklich für Kinder mit dem langen Flug, den gefährlichen Tieren und der Hitze! (Nein, Australien hat sonst rein gar nichts zu bieten – und Kinder werden dort auch nicht geboren)) war Gold wert! Freilich gehört ein gesunder (und mutiger) Menschenverstand auch dazu. Doch den haben wir ja wohl hoffentlich alle!

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