Nach zweieinhalb Monaten auf gemeinsamer Reise trennen sich unsere Wege und ich werde im Regenwald ausgesetzt!

Vier Nächte haben wir uns für den oberen Küstenabschnitt der Südinsel Zeit genommen, und dabei zum ersten Mal in Neuseeland sogar 2 Nächte am gleichen Ort übernachtet. Und dann passiert es: Das Baby schnupft. Und es beginnt zu regnen. Als hätten sich Babynase und Himmel verabredet lassen sie es laufen was das Zeug hält und machen damit gleich doppelt unsere Pläne kaputt. Wandern können wir so nicht gehen. Erstens wegen dem Baby, das sich sonst garantiert erkältet, zweitens bringt uns eine Wanderung im Nebel nicht allzu viel der Naturschönheiten des Nationalparks. Wir beschließen also den Tag andersweitig zu verbringen und fahren nach Takaka, eine einstige Hippiestadt, die sich heute vor Touris kaum retten kann. Dennoch kann man hier und dort noch einen gewissen Hippiecharakter erahnen. Nicht so wie im Australischen Nimbin, das war einfach unschlagbar, aber immerhin.

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Trotzdem wird es uns auch hier bald zu voll und nass, also fahren wir noch ein Stückchen weiter. Das angeschlagene Baby hat einen erhöhten Schlummerbedarf und verpennt die ganze Autofahrt, wir (vor allem ich) schauen mies gelaunt aus dem Fenster in den Nebel und Regen hinaus. Einfach bäh! Nichts von den schönen Aussichten über den NP und aufs Meer wird uns gegönnt. Rein gar nichts. Erst nach einer halben Tafel Schokolade und (dem Gatten sei Dank) dem Aufdrehen meines Lieblings-Ärzte-Albums bessert sich meine Laune wenigstens etwas. Doch die Wanderung durch den Abel Tasman können wir uns abschminken – das Wetter soll nicht besser werden, die Kindsnase ist es bisher auch nicht geworden.

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Am nächsten Tag dann entscheiden wir uns um: wenn nicht alle auf Tour gehen können, dann wenigstens stellvertretend einer von uns! Und da der Gatte beim Great Barrier Reef schon eine größere Tauchtour gemacht hat, darf ich nun also ran. Das Baby ist immer noch verschnupft, aber immerhin gut gelaunt. Als ich kurz vor knapp kurz vor 9 Uhr beim Wassertaxi ankomme, bin ich schon komplett durchnässt. Immerhin hat es mir noch gereicht ein kleines Frühstück und einen Kaffee zu kaufen, was ich auf dem Boot schnell verdrücke. Trotz dem siffigen Wetter ist das Wassertaxi voll: Familien, Senioren, Pärchen und noch zwei Alleinreisende, allerdings mit riesigem Rucksack, sind mit an Bord. Nach und nach werden sie ausgesetzt, bis am Torrent Bay dann ich an der Reihe bin. Ganz alleine steige ich aus an den Strand und werde wie ein gemeuterter Seeräuber einfach ausgesetzt. In drei Stunden werde ich (hoffentlich) wieder am Medlans Beach eingesammelt, dazwischen liegen 7 Kilometer durch Küste und Regenwald. Ich schaue dem Taxi noch eine Weile nach und marschiere los. Der Weg ist ziemlich steil und überwiegend neblig und nass, dennoch kann man die Schönheit des Regenwaldes nicht leugnen. Völlig einsam stapfe ich durch diese Märchenwelt, nur selten kommt mir jemand entgegen.

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Während ich da so laufe stelle ich fest, dass ich seit der Geburt des Babys nicht mehr so in Ruhe alleine war. Zwar hatte ich hier und da mal eine freie Minute, die ich überwiegend beim Ringelpony verbrachte, doch durch die Vollstillerei blieben mir nie mehr wie 2 bis 3 Stunden. Wenige Male war das Kind mit abgepumpter Milch versorgt, doch da war ich mit Freundinnen auf Tour oder am 1. Mai wandern, aber eben nie für mich. Nach über neun Monaten also war ich hier mitten in der Neuseeländischen Wildnis so richtig alleine. Ein seltsames Gefühl, aber nicht befremdlich. Ich genieße einfach die Wanderung, mache viele Pausen (drei Stunden für die Strecke ist viiiiel zu viel), wade durch einen Fluß (hier ist anscheinend jeder anständige Wanderweg mit Hängebrücke oder Flussdurchquerung) und schnaufe zu Aussichtspunkten hinauf. Da außer mir nur sehr wenige wetterfest zu schein scheinen, sehe ich mich sogar gezwungen, ein paar Selfies zu knipsen – aber immerhin stilvoll mit dem kleinen Foto und nicht mit dem Handy.

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Später werde ich tatsächlich wieder vom Wassertaxi abgeholt. Als das Boot in Kaiteriteri ankommt fühle ich mich, als wäre ich ewig weg gewesen. Ich erspähe schon vom Deck aus den Rest der Familie in einem Café sitzen und kann es kaum erwarten wieder bei ihnen zu sein. Das Baby freut sich riesig als es mich sieht, als ob es jetzt erst bermerkt, dass ich überhaupt weg war und ist einigermaßen fit. Der Gatte erwartet mich tiefenentspannt und berichtet, dass die Beiden trotz Regen einen tollen Vater-Tochter Tag verbracht haben. Jetzt freuen wir uns aber alle wieder auf eine gemeinsame Weiterfahrt, besseres Wetter und, in meinem Fall, auf trockene Kleidung.

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Trennung im Abel Tasman NP

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