Eine Attraktion nach der anderen: Die Westküste Neuseelands hat ganz schön was zu bieten.

In Neuseeland sind wir irgendwie zu Langschläfern geworden. Als wir an diesem Morgen gegen 9 Uhr auf dem Old Ghost-DoC aufwachen, wuselt es um uns herum schon gewaltig: dutzende Mountainbikefahrer und Wanderer richten sich und ihr Equipment, um den 80 Kilometer langen Old Ghost Track anzugehen. Wir frühstücken erstmal ausgiebig und laufen dann die ersten Kilometer des Wanderweges, der gleich zu Beginn über eine Hängebrücke führt und uns sofort gefällt. Da wir jedoch nicht dafür ausgestattet sind drehen wir bald wieder um. Sollten wir jemals wieder nach Neuseeland kommen, ist der Weg jedenfalls schon mal auf der ToDo-Liste, beschließen wir und machen uns auf zur Westküste.

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Vielversprechender Start des Old Ghost Tracks

Dort beobachten wir am Cape Foulwind bei Westport (wo wir unsere Vorräte wieder auffüllten) erstmal eine Seehundkolonie. Während ich die Tiere so beobachte kommt mir der Gedanke, dass das Baby bestimmt auch gerne ein Seehund wäre – immer im Wasser, immer am Spielen und – im Falle der Seehundbabys – immer dabei, Dinge auszuprobieren und Quatsch zu machen. Leider hat das Baby seine Geschwister im Geiste von der hohen Aussichtsplattform glaube ich gar nicht gesehen, besteht aber mit großem Krakehl darauf, den Weg zum Parkplatz selbst zu laufen (an der Hand natürlich, aber immerhin). Unterwegs bewundert es ausgiebig jedes Gänseblümchen und jedes größere Steinchen auf der Strecke. Irgendwie hat so jeder von uns seine Sehenswürdigkeiten, nicht wahr? 😉

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Einer der vielen Seehunde am Cape Foulwind / Tauranga Bay
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Getragen werden? Ne! Ich kann selber laufen!

Schon von weitem lässt sich dann das nächste Ziel erahnen. Nicht, weil die Pancake Rocks schon so köstlich duften, sondern weil wieder einmal zunehmend viele Wohnmobile die schöne Küstenstraße entlangschleichen und im Traum nicht daran denken, in einer „Slow vehicle bay“ die schnelleren Fahrzeuge durchzulassen. Ein klassisches Touriphänomen. Wie zu erwarten sind die Menschenmassen an den wie dutzende gestapelte Pfannenkuchen aussehenden Felsen groß. Der Rundweg hat uns aber sehr gefallen und auch den ein oder anderen menschenleeren Ausblick geschenkt. Das Baby erfreute sich an dem lauten Getöse, wenn die Wellen durch die Blow Wholes schossen und schnappte vom Tragerucksack nach den Blättern der Bäume. Danach verspeiste es eine riesige Portion Babybrei h vermutlich haben die Pancake Rocks sie auf den Geschmack gebracht…

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Anschließend landeten wir ganz zufällig in einem wunderschönen Regenwald. Zwar wussten wir, dass dieser um Hokitika herum am wildesten sein soll, doch dass direkt neben unserer Übernachtungsstelle ein solch atemberaubendes Exemplar nur auf uns wartet, wussten wir nicht. Der Platz (ein DoC) war im wahrsten Sinne des Wortes eine Goldgrube – denn im Bach direkt daneben darf man ganz offiziell nach Gold schürfen, was uns unser Nachbar mit einer beeindruckenden Ausrüstung auch tatsächlich erfolgreich vormachte. Nach einer kühlen Nacht fühle ich mich endgültig total gerädert, das Baby hat mich wirklich angesteckt (erfreut sich selbst aber bester Laune). Mein neuer Tag beginnt also mit grässlich blendendem Sonnenschein, Schädeldröhnen und laufender Nase. Bestimmt auch ein Resultat meiner Wanderung im Abel Tasman-Regen. Jedenfalls sind die Damen der Familie heute beide nicht in bester Verfassung und so geht der Gatte alleine zu Franz Josef, dem Gletscher Nummer eins, während das Baby auf meinem Schoß schlummert und ich im Auto darauf warte, dass mein Schädel wieder etwas klarer wird.

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Ganz überraschend im verwunschenen Regenwald in Goldsborough gelandet

So geht das nicht weiter beschließt der Gatte und ordert eine ungeplante Genesungs-Nacht auf dem Campingplatz an, wo ich mich mit Dusche, Strom und Heizlüfter wieder aufrappeln soll. Also checken wir auf einem Campingplatz im Ort Fox Glacier ein. Nach zwei Stunden, einem Kaffee und zwei Cola (viiiiiel Koffein) fühle ich mich wieder fit genug um Fox, Gletscher Nummer 2, einen Besuch abzustatten. Hier muss man etwas hinwandern, um zur Gletscherzunge zu kommen, was allerdings – entgegen sämtlicher Warnschilder – überhaupt kein Problem ist: Breiter Weg, etwas Schotter, hin und wieder über ein Gletscherbächlein, aber in keinster Weise rechtfertigt das die immensen Warnschilder, die überall den Weg verschandeln. Oben angekommen kommt man gar nicht sooo nah an den Gletscher ran, das geht nur noch mit dem Heli, wie uns Schilder verraten und wie man unschwer am Dauerbrummen im Himmel hört. Wir überlassen das Staunen den anderen Touris und treten fast ein bisschen enttäuscht den Rückweg an – der jedoch von dieser Richtung aus wunderschön ist.
Immerhin haben wir schon ein Nachtquartier, wo wir ein luxuriöses Familienbad mit Wanne und Dusche finden, was wir erstmal ausgiebig nutzen, bei einem Tee das Bergpanorama genießen und ich fast zeitgleich mit dem Baby in einenntiefen Gesundheitsschlaf einschlafe.

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Das Gletschertal von Gletscher Fox ist wirklich hübsch auch wenn der Gletscher selbst kaum zu sehen ist
Gletscher, Gold und Pfannenkuchen

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