Wir sind dann mal raus. Raus aus der Masse. Ein erneuter Versuch, eine Reise ohne Massentourismus zu unternehmen.

Noch immer lachen wir uns heimlich ins Fäustchen, weil wir unsern Besuch der Milford Sounds so gewieft ohne die vielen Touris gemeistert haben (hihihihihi!). Jetzt sind wir der Masse erneut ganz entflohen und machen uns auf in den Süden der Südinsel – der hat touristisch nicht allzu viel zu bieten, weswegen wir uns hier mehr oder weniger „unberührte“ Städtchen erhoffen, also ohne Mc Donalds, „The best experiance of your life“-Werbung und so weiter. Einfach ein Stückchen ganz normale Welt. Bitte. Danke.

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Dafür nehmen wir auch die noch kältere Wetterlage Richtung Südpol in Kauf, und landen nach einer Fahrt durch sehr stürmisches aber schönes, ausschließlich von Schafen bewohnten Farmland in Invercargill. Und staunen. Eine große Stadt mit vielen Geschäften wie man sie kennt – doch alle zu. Zum allerersten Mal seit Wochen merken wir, dass Sonntag ist! Der Stadtrundgang endet für uns im windgeschütztem Museum, wo sich vor allem das Baby königlich amüsiert. Auch wir Großen lernen viel über alles Mögliche, auch wenn wir in den sehr gut und anschaulich gestalteten Ausstellungsräumen keinerlei roten Faden erkennen können. Aber was solls.

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Das Baby darf im Museum auch mal in die Ausstellungsstücke reinklettern

Wieder draußen machen wir uns auf den Weg zum Campingplatz etwas außerhalb. Während das Baby schlummert ärgern wir uns über dieses nervige Neuseeländische Wetter, das uns heute schon wieder dazu zwingt, im Auto zu bleiben und dort mit dem Baby zu spielen, da es uns draußen einfach wegpusten würde (auch wenn der Campingplatzwart meinte, das wäre höchstens ein mittlerer Wind…). Zum Glück haben wir einen geräumigen Camper! Um das Meer wenigstens mal gesehen zu haben, machen wir uns später dann doch noch mal auf den Weg an den Strand – der uns jedoch schon hunderte Meter weit entgegen kommt. Die komplett Straße ist voller Sand, ein Weiterfahren nicht möglich. Dann also einzeln zu Fuß, das Baby darf diesmal nicht mit, sonst wäre es wie wir von den Sturmmassen durchweht und von den Sandkörnern gepeelt worden. Noch zwei Tage später hatte ich Sand im Ohr!

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Trotzdem hat es mich jetzt, eine Woche vor Abreise gepackt: sch*** auf das Wetter! Jetzt haben wir endlich mal einen Spielplatz gefunden, der wird nun auch benutzt! Das Baby freut sich riesig, als es, eingepackt in allem Warmen, was es dabei hat,  auf dem Spielplatz toben kann. Wir freuen uns, das es sich so sehr freut. Da kommen fast Australien-Gefühle auf. Nur mit 15 Grad weniger.

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Am nächsten Tag dann die Überraschung: Windstille. Sonne. Keine Sandflies. Wir frühstücken vor dem Camper! Und feiern den Geburtstag des Gatten nahezu ohne Massentouris. Wir landen mehr oder weniger auf einer 16 Kilometer langen Schotterpiste und machen auf der spektakulären Felsformation der Curio Bay Mittagspause (wieder mit Sturm, aber genialer Aussicht). Wir verpassen es, die Cathedral Caves bei Ebbe zu erwischen und fahren gleich weiter – wieder ist die Straße irgendwie ziemlich grobkörnig geworden – zu den Purakaunui Falls (etwas unspektakulär). Und wir – der Gatte hat größten Spaß dabei – rumpeln über eine ziemlich lange Schotterstraße zu unserem Nachquartier: einer großartigen Bucht mit steilen Felsen, Seehunden und tollem Strand. Zu kalt zum baden zwar, aber dieses sensationelle Szenario wirkt wie eine Filmkulisse, und die haben wir in erster Reihe vom Autofenster aus fest im Blick. Ein gewaltiger Eindruck! Eigentlich war der Tag heute genau so, wie wir uns Neuseeland vorstellten: wild, weit und gewaltig. Fernab der „experiance of your life“-Mentalität.

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Freier Süden

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