Schon von weitem leuchtet es weiß vom Gipfels des Ruapehus im Tongariro National Park. Schnee! Und damit werden wir wohl etwas mehr Schnee sehen, als unsere Anverwandten im deutschen Winter…

Schnee bedeutet aber auch: kalt. Wir hatten uns eigentlich einen kleinen DOC Platz direkt am Bergfuß ausgesucht, doch nachdem wir erfahren, dass die Nacht zwei Grad bringen soll, checken wir doch lieber bei einem Campingplatz mit Strom ein. Immerhin kutschieren wir einen Heizlüfter mit uns rum, da können wir ihn ja auch mal probieren. Eine gute Entscheidung! Die Nacht war wirklich bitterkalt, was wir allerdings nur merken, als wir vor dem Schlafengehen noch mal ins Sanitärhäuschen stapfen. Ich will gar nicht wissen, wie die armen Menschen in ihren Zelten gefroren haben müssen, und das vor so einer langen Wanderung, die vor ihnen liegt…
Wer nämlich hier her kommt, macht das eigentlich nur aus einem Grund: Er will den berühmten Tongariro Crossing laufen, eine knapp 20 Kilometer lange Wanderstrecke quer über die Vulkane.

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Wir hingegen backen diesmal kleinere Brötchen und entscheiden uns für eine kleinere Wanderung, die laut der netten Dame im Infocenter circa 2 Stunden geht und sensationelle Ausblicke haben soll. Einziger Nachteil (so finde ich): Wir müssen mit dem Sessellift auf den Berg fahren. Und der sieht ungefähr genau so alt aus wie der Vulkan selbst. Oder so ähnlich. Als wir also völlig unverfroren am nächsten Tag in unserem warmen Camper erwachen, wünsche ich mir erstmal einen Schnaps. Mit dem Baby einen uralten Sessellift auf 2020 Meter hinauf tuckern… Phuuu! Doch alle, Infocenter- wie Liftmitarbeiter meinen, das wäre üüüberhaupt kein Problem. Also wagen wir es. Klar, dass das Baby auch das in seinem Tragebeutel mit bester Laune und Bravour meistert, der Lifterfahrene – weil Skifahrende – Gatte dabei die Ruhe selbst. Oben angekommen gibt es doch keinen Schnaps für mich, aber wir gönnen uns ersteinmal einen Kaffee im höchsten Café Neuseelands (sehr gut, tolle Aussicht und normale Preise), und machen uns dann auf den Weg zum Skywalk – sprich: auf 2200 Meter hoch.

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Man muss ja schon sagen, dass sich hier hoch doch nur vergleichsweise wenige Touris hinverirren. Es ist wohl auch der erste Tag seit der Coromandel, dass wir nicht täglich prall gefüllten Reisebussen begegnen. Hier oben auf dem Berg sind nur die mittel-hartgesottenen wie wir: die, die sich nicht auf dem Tongariro Crossing begeben haben, dennoch aber Bergluft schnuppern möchten. Zwar tummelt es sich hier auch etwas, doch die erste Schneeüberquerung auf dem Weg zum Gipfel dünnt die Karavane gen Skywalk etwas aus.

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Das Kind, das zum ersten Mal in ihrem Leben Schnee sieht, sitzt jauchzend und plappernd in der Kraxe auf dem Rücken des Gatten, der gekonnt durch den Schnee und das Vulkangeröll stapft, wohingegen ich eher ko hinterher hechele. Die Sonne sticht von oben, der Schnee blendet, die Schuhe sind nass und das Geröll am steilen Hang fliegt mir permanent auf die Zehen (und überhaupt ist alles mimimi…).
Doch die Mühe hat sich gelohnt! Nach einer Stunde sind wir oben und werden von einem sensationellen Panorama erwartet – nur das Baby ist unterwegs eingeschlummert. Der atemberaubende Ausblick entschädigt die vorangegangenen Massentourierlebnisse und bestätigt unsere Vermutung: Wir sind mit unserer Entscheidung, die ausgetrampelten Pfade zu verlassen, auf dem richtigen Weg!

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Auf dem Ruapehu

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